paradoks – an den Rändern des Dokumentarischen

Videokunstfestival Leipzig
23. Oktober – 14. November 2021

Eröffnung: Sa, 23. Oktober 2021
18.00 – HGB Galerie & GfZK
20.30 – Spinnerei WERKSCHAU Halle 12
Performance CONJURING von Ben Russell

Öffnungszeiten:
HGB | Wächterstraße 11, 04107 Leipzig
Mo – Fr: 14.00 – 20.00
Sa – So: 10.00 – 16.00

GfZK | Karl–Tauchnitz–Str. 9 – 11, 04107 Leipzig
Di – Fr: 14.00 – 19.00
Sa – So: 12.00 – 18.00

WERKSCHAU Halle 12 (Spinnerei) | Spinnereistraße 7, 04179 Leipzig
Mo – Fr: 14.00 – 20.00
Sa – So: 12.00 – 20.00

Alle Ausstellungsorte und Veranstaltungen sind kostenfrei zugänglich.

Partner*innen:

  • Über paradoks

paradoks - an den Rändern des Dokumentarischen

paradoks verortet sich an der Schnittstelle von Kunst und Bewegtbild und widmet sich dokumentarischen Formaten jenseits des Kinosaals. Die Bandbreite von Dokumentarismen wird zunehmend nicht mehr nur von Filmemacher*innen ausgelotet. Journalistische Recherchen, Reenactments, die Einbeziehung wissenschaftlicher Erkenntnisse oder Analysen von vorgefundenem Material sind zum zentralen Bestandteil von ästhetischen Strategien der bildenden Kunst und darüber hinaus geworden. Interdisziplinäre Projekte an den Schnittstellen von Aktivismus, Wissenschaft und Kunst suchen nach neuen Formen der Sichtbarmachung des Zustandes der Welt mit einem Blick hinter die Kulissen öffentlicher Berichterstattung und die Flut medialer Bilder in den sozialen Medien.

paradoks ist eine Plattform für genau diese Vielschichtigkeit, die wir einerseits abbilden, andererseits auf ihre gesellschaftspolitischen Voraussetzungen hin befragen wollen. Die Ausstellung gliedert sich dabei in zwei Themenfelder. Die Arbeiten im Cluster EMPOWERMENT beziehen sich in historischer Perspektive auf koloniale Strukturen und deren heutige Auswirkungen wie Rassismus, Diaspora und Armut in marginalisierten Communities. Blickachsen, Blickhierarchien und die Frage, wer über wen spricht, spielen hier genauso eine Rolle wie wiederum die nach der Wechselwirkung von gesellschaftlicher Realität und Repräsentation. PSYCHEDELIC ANTHROPOLOGY bewegt sich an den Rändern der visuellen Anthropologie und fragt nach durch Kulturtechniken wie Forschung, Tanz, Musik oder Wanderung bewusst herbeigeführte Zustandsveränderungen von Geist und Körper – alles methodische Möglichkeiten, Mensch-Sein neu zu erfahren. In den Arbeiten verwischen dabei die Trennlinien zwischen Dokumentation und Fiktion in sensueller, immersiver Art und Weise.

paradoks ist ein Gemeinschaftsprojekt von GEGENkino und der Filmischen Initiative Leipzig (FILZ).

  • Ausstellung

PSYCHEDELIC ANTHROPOLOGY

Spinnerei WERKSCHAU Halle 12

www.spinnerei.de

Spin

Ginan Seidl DEU 2021 30 min 3-Kanal Video-Installation

Der Spin ist eine in der Quantenmechanik eingeführte Größe zur Beschreibung von Drehimpulsen bei Kleinstteilchen. In der Arbeit werden gleichermaßen audiovisuell, räumlich wie sprachlich verschiedene Formen des Denkens, Zweifelns und sich Drehens untersucht. Darüber eröffnet sich ein Nachdenken über Körper und Geist als Erfahrungsinstrumente zwischen Wissenschaft und Spiritualität. Fiktive Dialoge, Interviews, ruhige Aufnahmen von Kreisbewegungen und dokumentarische Beobachtungen einer Sufi-Zeremonie gehen ineinander über. In letzterer werden die Körper der Derwische in der tanzenden Drehbewegung nicht nur zur Antenne einer als göttlich empfundenen Kraft, sondern auch zu einem Resonanzraum, der die Energien potenziert und umwandelt, um sie letztlich in den sozialen Raum der Umma (der Gemeinschaft der Gläubigen) geben zu können. Im Kontext eines Interviews stellt SPIN dabei die Frage, inwieweit ritualisierte (und dadurch mitunter entleerte) Formen des Handelns ein Vordringen zur Essenz der Dinge verhindern. Die Möglichkeit verstellen, ein Weltverständnis zu verlassen, das sich nur um sich selbst dreht.

Ginan Seidl, geboren in Berlin, lebt und arbeitet in Halle (Saale) und Berlin. Nachdem sie ihr Kunststudium in Halle (Saale), Berlin und Mexico City abschloss, nahm sie 2012 und 2016 an der Professional Media Master Class und dem Master Class Lab von Werkleitz e.V. teil. Sie erhielt verschiedene Kunstpreise und war Residenzstipendiatin in Istanbul, Mexiko und dem Libanon. Ihre Arbeiten wurden auf internationalen Filmfestivals, wie FID Marseille, Berlinale/Forum Expanded und CPH:DOX und in diversen Ausstellungen und Kunstfestivals gezeigt. Sie ist Teil des Filmkunstkollektivs FILZ.

SPIN wurde gefördert von der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, der Kloster Bergesche Stiftung und entstand im Rahmen des PMMC Labs der Werkleitz Gesellschaft e.V.; gefördert durch die Mitteldeutsche Medienförderung GmbH und dem Land Sachsen-Anhalt, aus den Mitteln der ESF (Europäischer Sozialfonds).

Der unsichtbare Berg

Ben Russell USA 2020 114 min 6-Kanal Video-Installation

Der Berg als Leitmotiv für die Überschreitung der eigenen Grenzen. Die symbolistische Erzählung “Mount Analogue: A Novel of Symbolically Authentic Non-Euclidean Adventures in Mountain Climbing” des französischen Schriftstellers René Daumal, die bereits als Grundlage für Arbeiten von Patti Smith, John Zorn und Alejandro Jodorowsky diente, wird bei Ben Russell zum Ausgangspunkt einer multimedial erzählten Suche nach einem im Meer schwimmenden, utopischen Berg. In der installativen Anordnung werden auf sechs Leinwänden, mit einer Neon-Skulptur und achtzehn Lautsprechern die Etappen einer Reise durch Raum und Zeit geboten. Grundlage bildet hierfür die Wanderung des Künstlers Tuomo Tuovinen quer durch Europa, von Finnland nach Griechenland, die Russell mit einer 16mm-Kamera in Abständen begleitet hatte. Dazwischen finden sich Einschübe, Konzertmitschnitte, Proben; wird aus Mount Analogue rezitiert, bei Tuovinen Gehirnströme gemessen oder mit Soundwellen Berge geformt. Die Zuschauer*innen erschließen sich die dunklen Räume langsam, während der Sound teils massive Dimensionen annimmt und Blitze aus Farben Dreiecke beschreiben.

Ben Russell, geboren in den USA, ist Künstler und Filmemacher und lebt aktuell in Los Angeles. In seinen Arbeiten beschäftigt er sich mit der Schnittmenge von Ethnografie und Psychedelia. Russell war Teilnehmer der documenta 14 (2017) und seine Werke wurden im Centre Georges Pompidou, dem Museum for Contemporary Art Chicago sowie beim IFF Rotterdam und New York Film Festival gezeigt. Er erhielt 2008 das Guggenheim Fellowship und 2009 in Rotterdam den FIPRESCI-Preis für sein Langfilm-Debüt LET EACH ONE GO WHERE HE MAY.

23.10. 20:30

Performance CONJURING von Ben Russell

Im Rahmen der Eröffnung des paradoks Festivals 2021.

Zeit
23.10. 20:30
24.10. 17:00

Artist-Talks mit Ben Russell und Ginan Seidl

Gespräch auf Englisch.

Zeit
24.10. 17:00

EMPOWERMENT

Galerie der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Leipzig

www.hgb-leipzig.de

RISE

Bárbara Wagner & Benjamin de Burca BRA/USA/KAN 2018 21 min 1-Kanal Video-Installtion

Die Abkürzung RISE steht für „Reaching Intelligent Souls Everywhere". Der Name von Bárbara Wagners & Benjamin de Burcas Film RISE, der Methoden des community-basierten Empowerments untersucht, ist direkt der Gruppe RISE entlehnt, einer selbsternannten EDUTAINMENT-Gemeinschaft. Diese organisiert wöchentliche Veranstaltungen in vorstädtischen Gemeindezentren Torontos, bei denen sich die Teilnehmer*innen treffen, um Gedichte und Lieder in einer diskriminierungsfreien „Safe Space“-Atmosphäre zu teilen. Der Film spielt unterirdisch, in der U-Bahn-Erweiterung der Toronto Transit Commission. Sie wurde gebaut, um die Mobilität zwischen dem Stadtzentrum und den Randbezirken, die hauptsächlich von Einwanderer*innen afro-karibischer Herkunft bewohnt werden, zu erhöhen. In den Tunneln der U-Bahn verhandeln Dichter*innen, Rapper*innen, Sänger*innen und Musiker*innen durch ihre Performances ihren Status als Kanadier*innen der ersten und zweiten Generation sowie ihren Status als Siedler*innen, die auf geliehenem indigenem Land leben. Es entsteht eine experimentelle Anordnung, in der Wagner und de Burca gewohnt offen dokumentarische Zugängen wählen und deren in den Raum erweitertes Set-Design die Künstlichkeit der urbanen Landschaft aufgreift, in der die “rappenden Seelen” um Befreiung kämpfen.

Wagner & de Burca arbeiten seit 2011 zusammen und haben an diversen Ausstellungen, Biennalen und Filmfestivals teilgenommen, darunter das 33. und 35. Panorama de Arte Brasileira, die 32. São Paulo Biennale, das 20. Festival für zeitgenössische Kunst Sesc VideoBrasil (São Paulo, Brasilien), die 67., 68., 69. und 71. Berlinale und das 72. Locarno International Film Festival. Sie haben zudem Einzelausstellungen auf internationaler Ebene präsentiert, darunter im Jumex Museum (Mexiko-Stadt) und im Stedelijk Museum (Amsterdam). 2019 vertraten Wagner & de Burca Brasilien auf der 58. Biennale von Venedig.

Besonderen Dank für die Einladung an die Kuratorin der Galerie der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Ilse Lafer sowie Koordinator Adrian Lück.

25.10. 17:00

Artist-Talk mit Bárbara Wagner und Benjamin de Burca

In der Galerie der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Leipzig. Gespräch auf Englisch.

Zeit
25.10. 17:00

Day in the Life

Karrabing Film Collective AUS 2020 33 min 1-Kanal Video-Installation

Eine etwas andere Form des Empowerments praktiziert das Karrabing Film Collective. Die 1-Kanal-Videoarbeit DAY IN THE LIFE zeichnet einen exemplarischen Tag der Community. Der Film besteht aus fünf satirisch betitelten Kapiteln – „Frühstück“, „Spielpause“, „Mittagspause“, „Cocktailstunde“, „Abendessen zum Mitnehmen“, die die Art und Weise illustrieren, wie das Alltagsleben der Gemeinde von äußeren Einflüssen und Zwängen geprägt wird, in Form von staatlichen Agenten, die ihr Verhalten überwachen oder privaten Bergbauunternehmen, die Ressourcen stehlen und ihr Land verschmutzen. Zusammengehalten wird die Arbeit (wie auch der Tag) von einem Rap-Soundtrack, der von den jüngeren Mitgliedern des Kollektivs komponiert wurde, sowie von Audioclips aus Radio- und Fernsehsendungen, die überwiegend von der Australian Broadcasting Corporation stammen und die Defizitstatistiken über die Aborigines-Gemeinschaften wiederholen.

Auswirkungen eines besonders schädlichen Stereotyps werden hervorgehoben – nämlich, dass die Eltern der Aborigines nicht in der Lage seien, für ihre Kinder zu sorgen. Die Angst der Mutter ist eine ererbte, die in einem wiederkehrenden Refrain zum Ausdruck kommt: „Wir werden tun, was unsere Alten getan haben, wir werden unsere Kinder verstecken.“ Dies ist einer von vielen Bezügen zu den sogenannten „gestohlenen Generationen”, den Tausenden von Aborigines- und Torres-Strait-Inselkindern, die zwischen etwa 1905 und den 1970er-Jahren gewaltsam von ihren Familien getrennt wurden.

Das Karrabing Film Collective, gegründet 2008, ist eine Gruppe von rund 30 Filmemacher*innen und Künstler*innen, die ihre ästhetische Praxis als ein Mittel zur Selbstorganisation und sozialen Analyse nutzt. Die indigenen Karrabing-Mitglieder (der Großteil der Gruppe) leben in ländlichen Gemeinden überwiegend in der Belyuen-Gemeinschaft im Nordwesten Australiens. Karrabing bedeutet auf Emiyengal „der tiefsten Punkt der Ebbe” und bezieht sich auf eine Zeit des Zusammenkommens sowie auf die Küste, die die Mitglieder des Kollektivs über soziale Linien hinweg als erweiterte Familie verbindet.

EMPOWERMENT

Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) Neubau / Black Box

www.gfzk.de

You Cannot Trust the Colors

Katrin Winkler DEU 2021 15 min 2-Kanal Video-Installation

Winkler sammelte Bildmaterial aus dem Rheinischen Missionsarchiv in Wuppertal – überwiegend private Aufnahmen von Missionaren, die z. B. in Sumatra, Namibia und Tansania tätig waren und dort eine Kolonisierung vorwegnahmen oder diese begleiteten. Das Archiv verfügt über einen großen Bestand handkolorierter Glas-Positive aus der ganzen Welt, meist private Aufnahmen von Missionaren der einzelnen Missionsstationen in den kolonisierten Gebieten. Eine Gruppe von Menschen, um einen Tisch versammelt, vom einfallenden Licht erhellt vor allem das Gesicht einer Person. Es ist in einem blassen gelb koloriert, darauf, hauptsächlich auf Wangen- und Mundhöhle, rote Flecken. Eine Aufnahme einer Meeresbrandung: das Wasser in allen Blau-und Grüntönen, die die Farbpalette hergibt, der Himmel ein Verlauf von orange zu lila.

Winkler widmet sich der Frage, wie die Farbgebung zu Stande kam und wie sie von Machtstrukturen durch unterschiedliche kolonisierende Akteure geprägt ist. Wie wurde zwischen Missionaren und den ausführenden fotografischen Institutionen über die Farbgebung der Glas-Positive kommuniziert? Was passiert an den Rändern von Bildern? Jenseits des Randes? Fragmentarisch wird das visuelle Material mit fiktionalisierten Dialogen verknüpft. Die Dialoge basieren auf Interviews mit Zeitzeug*innen aus kolonialisierten Gebieten, sollen über eine Ebene der Fiktionalisierung aber auch Aspekte des gesellschaftspolitischen Diskurses über Kolonialismus, Repräsentation und Musealisierung öffnen.

Katrin Winklers künstlerische Arbeit bewegt sich zwischen Expanded Cinema, intensiven Recherchen, Video und Fotografie. Inwieweit Geschichte (un-)sichtbar und mit der Gegenwart verwoben ist, ist eine wiederkehrende Thematik in ihrer künstlerischen Praxis. Sie studierte an der Hochschule München (BFA), an der Hochschule für Grafik und Buchkunst und am California Institute of the Arts (MFA). Ihre Arbeiten wurden international gezeigt z.B. auf der Lagos Biennale, Berlinale/ Berlin International Film Festival- Forum Expanded, Sursock Museum Beirut und Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.).

Mangoes

Bani Abidi PAK/DEU 1999 3 min 1-Kanal Video-Installation

Anthems

Bani Abidi PAK/DEU 2000 3 min 1-Kanal Video-Installation

The News

Bani Abidi PAK/DEU 2001 2 min 2-Kanal Video-Installation

Zwei im Ausland lebende pakistanische und indische Frauen sitzen in MANGOES zusammen, essen von den titelgebenden Früchten und schwelgen in Erinnerungen an ihre Kindheit. Die Begegnung kippt jedoch, als sie beginnen, die Vielfalt der in beiden Ländern angebauten Mangos zu vergleichen - ein Kommentar zur weitverbreiteten Nostalgie und Nationalismus, der in der indischen und pakistanischen Diaspora herrscht. Beide Frauen werden von der Künstlerin selbst gespielt, um die Idee einer gemeinsamen Geschichte hervorzuheben.

ANTHEMS untersucht die Rolle der Musik bei der Entstehung patriotischer Gefühle und zeigt ein geteiltes Bild von zwei jungen Frauen (erneut gespielt von der Künstlerin), die zu populären indischen und pakistanischen Liedern tanzen. Bei dem Versuch sich gegenseitig zu übertönen, indem beide die Lautstärke erhöhen, endet das Video schließlich in einer Kakophonie von Geräuschen.

THE NEWS ist eine Zweikanal-Videoinstallation, die eine Nachrichtensendung simuliert, die auf beiden Seiten der indisch-pakistanischen Grenze ausgestrahlt wird. Auf zwei Bildschirmen erzählen eine pakistanische und eine indische Nachrichtensprecherin unterschiedliche Versionen desselben Ereignisses. Das Drehbuch ist eine Adaption eines bekannten Witzes über einen Inder und einen Pakistani. Die in dem Video verwendete Sprache ist das sanskritisierte Hindi des offiziellen indischen Jargons und das persischsprachige Urdu des pakistanischen Staates, ein Kommentar zur ausschließenden Politik des Staates, der die Sprache in seinem Bemühen um die Schaffung einer eigenen Identität verändert.

Bani Abidi, geboren in Karachi, Pakistan, studierte am National College of Arts, Lahore, Pakistan und am MFA from the School of Art Institute of Chicago, USA. Sie war Stipendiatin des DAAD Berliner Künstlerprogramms. Ihre Arbeiten werden international gezeigt, etwa in Kalkutta, Dallas, New York und Kassel. 2019 fand unter dem Titel „They Died Laughing” eine Ausstellung im Martin Gropius Bau statt. Abidi lebt und arbeitet in Berlin und Karachi.

24.10. 15:00

Artist-Talk: Katrin Winkler, Bani Abidi (ENG)

  • Programm
  • 23.10. 18:00

    HGB | Eröffnung paradoks 2021 und Rundgang durch alle Ausstellungen

  • 23.10. 20:30

    WERKSCHAU | Performance CONJURING von Ben Russell

  • 24.10. 15:00

    GfZK | Artist-Talk: Katrin Winkler, Bani Abidi (ENG)

  • 24.10. 17:00

    WERKSCHAU | Artist-Talk: Ben Russell, Ginan Seidl (ENG)

  • 25.10. 17:00

    HGB | Artist-Talk: Bárbara Wagner und Benjamin de Burca (ENG)

  • 28.10. 19:00

    GfZK | Screening & Talk: Purple Sea

  • 28.10. 19:00

    GfZK | Shipwreck at the Threshold of Europe, Lesvos, Aegean Sea: 28 October 2015

  • 1.11. 19:00

    Cinémathèque Leipzig | Screening: Forensickness und Bottles Songs 1 & 2

  • 3.11. 19:00

    GfZK | WRO ON TOUR: INTERSPACE (Kurzfilmrolle)

28.10. 19:00

PURPLE SEA

Amel Alzakout & Khaled Abdulwahed SYR/DEU 2020 67 min OmeU

SHIPWRECK AT THE THRESHOLD OF EUROPE, LESVOS, AEGEAN SEA: 28 OCTOBER 2015

Forensic Architecture GBR 2020 24 min OV

Vor genau 6 Jahren verließ ein Boot mit Migrant*innen die Küste der West-Türkei in Richtung der griechischen Insel Lesbos. Veraltet und mit mehr als 300 Menschen überfüllt, sank es wenige Meter, nachdem es EU-Gewässer erreicht hatte. PURPLE SEA erzählt von der Havarie aus der Binnenperspektive der Künstlerin und Filmemacherin Amel Alzakout, die sich auf dem Schiff befand und dessen Untergang sie mit einer an ihrem Handgelenk befestigten Kamera filmte. Die Bilder, aus den Halt suchenden Bewegungen Alzakouts resultieren, zeigen vorbeiziehende Objekte und Körper, lose und getragene Kleidung, die Signalfarben der Schwimmwesten. Sie bieten kaum Orientierung beim Versuch das Geschehen als Außenstehende zu ordnen. Meer und Himmel werden ununterscheidbar, der Horizont ist im Lot. Die Rettung bleibt aus. Auf der Tonebene tritt neben die mal vom Wasser gedämpfte, mal klare Geräuschkulisse der Katastrophe ein Off-Kommentar, in der sich die Regisseurin versucht an andere Orte zu retten, in andere Zeiten.

SHIPWRECK AT THE THRESHOLD OF EUROPE, LESVOS, AEGEAN SEA: 28 OCTOBER 2015 der Gruppe Forensic Architecture analysiert den Vorfall unter Rückgriff auf das Material, aus dem PURPLE SEA entstand, sowie unter Bezugnahme von Wetterdaten, Satellitenaufnahmen und zusätzlichen Bilder - produziert u.a. von der griechischen Küstenwache und dem Fotografen Richard Mosse, der das Ereignis zufällig mit einer hochauflösenden Wärmebild-Kamera aufnahm. Die Arbeit liefert eine präzise Rekonstruktion der Geschehnisse, bei denen mindestens 43 Menschen ihr Leben verloren und öffnet zudem den Blick auf übergeordnete Zusammenhänge der europäischen Grenzpolitik. Welche Beteiligte (NGOs, Schlepper, die europäische Grenzschutzagentur Frontex, Fischer) handelten unter welchen Voraussetzungen? Im Anschluss an das Tod bringende Unglück veröffentlichte Medienberichte, die Frontex und der griechischen Küstenwache eine erfolgreiche Rettungsaktion bescheinigten, werden kritisch gegengelesen – u.a. mit dem Resultat, dass die Politik der Abschottung bereits Monate bevor sie in einem Abkommen mit der Türkei festgeschrieben wurde, etablierte Praxis war.

Forensic Architecture – Forschungsagentur (bestehend aus u.a. Informatiker*innen, Filmemacher*innen, Jurist*innen und Wissenschaftler*innen verschiedener Disziplinen) mit Sitz am Londoner Goldsmith-College, die v.a. Repressionsmechanismen, staatliche und unternehmerische Gewaltausübungen und Umweltverletzungen analysiert und medial aufarbeitet. Ausstellungen und Screenings werden neben Beteiligungen an parlamentarischen Untersuchungen oder Gerichtsprozessen als eine Form zur Schaffung von Gegenöffentlichkeit verstanden. Beiträge u.a. bei der Documenta 14, der Whitney Biennial und der Venedig-Biennale.

Amel Alzakout, geboren 1988 in Syrien, ist als Künstlerin und Filmemacherin tätig und lebt in Leipzig. Journalismus-Studium an der Cairo University von 2010 bis 2013. Von 2017 bis 2018 Studium der Kunst an der Kunsthochschule Weißensee, seit 2019 ist sie im Fach Medienkunst an der HGB in Leipzig eingeschrieben. PURPLE SEA ist ihr Langfilm-Debüt, das in Co-Regie von Fotograf und Filmemacher Khaled Abdulwahed entstand. Ihre erste Zusammenarbeit, die 8-Kanal-Videoinstallation STRANGER’S DIARIES, lief 2019 im Rahmen von paradoks.

Khaled Abdulwahed, 1975 in Syrien geboren ist Künstler, Fotograf und Filmemacher, der in Leipzig lebt. Zwischen 1996 und 2000 Kunst- und Grafikdesign-Studium an der Adham Ismail Art School in Damaskus und der Frederick University in Nicosia, Zypern. Bislang produzierte Kurz- und Langfilme beinhalten u.a.: Bullet (2011), Tuj (2012), Slot in Memory (2013), Jellyfish (2016), Backyard (2018), Home Sweet Home (2020, mit Amel Alzakout).

28.10. 19:00

Screening

In Anwesenheit von Amel Alzakout und Christina Varvia (Forensic Architecture)

GfZK Black Box / Neubau, Karl-Tauchnitz-Str. 9-11, 04107 Leipzig

1.11. 19:00

FORENSICKNESS

Chloé Galibert-Laîné FRA 2020 40 min franz. OmeU

BOTTLED SONGS 1: THE OBSERVER

Chloé Galibert-Laîné & Kevin B. Lee DEU/FRA 2020 18 min franz. OmeU

BOTTLED SONGS 2: LOOKING INTO THE FLAMES

Chloé Galibert-Laîné & Kevin B. Lee DEU/FRA 2020 18 min engl. OV

In ihrem Videoessay FORENSICKNESS bezieht sich die Filmwissenschaftlerin und -macherin Chloé Galibert-Laîné auf den bestehenden Film WATCHING THE DETECTIVES (2017 von Chris Kennedy) und die in ihm verhandelte Nachforschung. Diese wurde von der Reddit-Online-Community betrieben, die in den 48 Stunden nach dem Anschlag auf den Boston-Marathon 2013 anhand der im Internet zugänglichen Überwachungskamera- und Amateur- Aufnahmen versuchte, die bis dahin unbekannten Attentäter zu identifizieren. Hinzukommt Material aus den Hollywoodbearbeitungen des Vorfalls sowie Nachrichtenbeiträge und Statements bzw. Selbstinszenierungen beteiligter FBI-Agenten.
Dabei greift Galibert-Laîné einerseits auf Internet-spezifisches visuelles Material zurück und stützt ihre Recherche zugleich auf web- bzw. softwarebasierte Praxen. Das Ergebnis: ein Desktop-Essay, der anders als bei bei Forensic Architecture keine strafrechtlich relevanten Beweise produziert oder Täterschaften nachweist, sondern die Deutungsoffenheit von Bildern und ihre Anfälligkeit für hermeneutische Fehlleistungen, für auf Rassismen basierende Anschuldigungen und die Funktionsweisen von Autoritätsproduktion zur Debatte stellt.

BOTTLED SONGS ist ein fortlaufendes Medienprojekt, das sich mit Strategien für den Umgang mit terroristischer Online-Propaganda beschäftigt. In sich gegenseitig adressierenden Desktop-Essays analysieren Chloé Galibert-Laîné und Kevin B. Lee online gefundene IS-Filme. Dabei zeigen sie Funktionsweisen der terroristischen Stilmittel auf und analysieren ihre aus Hollywood-Blockbustern entlehnte Ästhetik, ihre auf popkulturelle Codes zurückgreifende Symbolik und die Bedeutungsebenen dieser durch Social Media verbreiteten Videos. Die beiden Wissenschaftler*innen betten ihr Denken und Sprechen ein in Fragen über ein aktives, bewusstes, politisiertes Sehen und die Bedeutung von Emotionen, Empathie und Resilienz in Zeiten eines entfesselten Stroms von Bildern.

Chloé Galibert-Laîné (1992, Frankreich) ist Wissenschaftlerin und Filmemacherin. Sie promoviert derzeit an der École normale supérieure in Paris. Darüber hinaus unterrichtet sie Theoriekurse und künstlerische Workshops zu Film und Medien an verschiedenen Institutionen in Europa, darunter die Königliche Kunstakademie in Den Haag und die Johannes Gutenberg-Universität. In ihrer Arbeit erforscht sie vor allem die Schnittmenge zwischen Kino und Online-Medien. Galibert-Laîné hat bei mehreren preisgekrönten Kurzfilmen und Bühnenproduktionen Regie geführt und ihre Videoessays über Film und Medien werden regelmäßig in akademischen Kontexten und auf Filmfestivals gezeigt. Sie arbeitet häufig mit dem Filmemacher und Medienkünstler Kevin B. Lee zusammen; sie haben ihre gemeinsamen Arbeiten beim IFFR, True/False Film Festival, Open City Documentary Film Festival, Camden International Film Festival und London Essay Film Festival sowie an Kunstorten wie dem Ars Electronica Festival und der WRO Media Art Biennale präsentiert. (Quelle: IFF Rotterdam)

Kevin B. Lee (1975, USA) ist ein Filmemacher, Medienkünstler und Filmkritiker. Er studierte am School of the Art Institute of Chicago und erwarb einen Master in Film, Video, Neuen Medien und Animation sowie in Visual- und Critical Studies. In seinen Kurz- und Dokumentarfilmen übt Lee häufig Kritik am Medium Film und an der Filmindustrie. In den letzten zehn Jahren hat er über 360 Videoessays produziert. Sein preisgekrönter Film TRANSFORMERS: THE PREMAKE lief auf mehreren Festivals und wurde von Sight & Sound zu einem der besten Dokumentarfilme des Jahres 2014 gekürt. Er arbeitet regelmäßig mit der Filmemacherin und Medienkünstlerin Chloé Galibert-Laîné zusammen.
(Quelle: IFF Rotterdam)

1.11. 19:00

Screening

Cinémathèque Leipzig e.V., Karl-Liebknecht-Straße 48, 04275 Leipzig, Germany

WRO ON TOUR: INTERSPACES | Kurzfilmrolle

3.11. 19:00

RUINS IN REVERSE

Olena Newkryta UKR/AUT 2020 25 min OmU

KOPACABANA

Khalil Charif, Marcos Bonisson BAR 2019 13 min OmU

TRESPASSING

Francesca Fini ITA 2020 14 min ohne Sprache

MODELS FOR ENVIRONMENTAL LITERACY

Tivon Rice USA 2020 36 min OV

Die Kurzfilmrolle besteht aus Videoarbeiten des Programms der 19. Medienkunst-Biennale WRO 2021 REVERSO. Die WRO (WRO Art Center, Wrocław, Polen) ist das wichtigste Forum für neue Medienkunst in Polen und eine der führenden internationalen Kunstveranstaltungen in Mitteleuropa.

INTERSPACES verbindet Vergangenheit und Zukunft menschlicher Lebensräume mit den sichtbaren und unsichtbaren Interferenzen zwischen Lebensräumen, urbanen Strukturen und dem globalen Umfeld. Jedes Werk erforscht in gewisser Weise Zwischenräume innerhalb von Gebäuden, Städten, Inseln oder natürlichen Umgebungen und lädt den Betrachter ein, den Blick unter die Oberfläche des Offensichtlichen zu richten. Die verborgenen oder ungesehenen Details, die den Erinnerungen und Emotionen zugrunde liegen, sind die Spuren menschlicher und nicht-menschlicher Interaktionen, die in städtischen und bewohnbaren Räumen stattfinden. Die verbleibenden Nachbilder sind in der Tat mit bloßem Auge nicht zu erkennen.

3.11. 19:00

Screening

In Anwesenheit von Dagmara Domagała und Dominika Kluszczyk (WRO Art Center, Wrocław)

GfZK Black Box / Neubau, Karl-Tauchnitz-Str. 9-11, 04107 Leipzig

  • Programmheft

Das paradoks 2021 Programmheft zum Download:

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  • Führungen

Offene Führungen durch die Ausstellungen:

25. Oktober – 7. November | jeweils um 14 Uhr
- dienstags und sonntags in der GfZK & HGB, Treffpunkt GfZK, Dauer ca. 2h
- samstags in der Spinnerei Werkschauhalle 12, Dauer ca. 1h

8. November – 14. November | jeweils um 14 Uhr
- dienstags & samstags in der Werkschauhalle 12, Dauer ca. 1h
- sonntags in der GfZK & HGB, Treffpunkt GfZK, Dauer ca. 2h

Englische Führungen (English Guided Tours):

27. Oktober, um 14 Uhr in der Spinnerei WERKSCHAU Halle 12, Dauer ca. 1h
29. Oktober, um 14 Uhr, in der GfZK & HGB, Treffpunkt GfZK, Dauer ca. 2h

Die Teilnahme an den Führungen ist kostenlos. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich, wird aber begrüßt. Weitere Termine für Gruppen ab 10 Personen auf Anfrage an: paradoks@filz.works

  • Social Media
  • Impressum

Künstlerische Leitung & Kuration: Amos Borchert, Sebastian Gebeler,
Kathrin Lemcke, Jonas Matauschek, Ginan Seidl

Vermittlung: Sarina Lacaf, Undine Rietz
Technical Supervision: Anna-Maria Friedrich, Martin Hesse
Buchhaltung: Hanna Saur

Pressearbeit: Laura Bierau
presse@para-doks.de

Grafik & Layout: Nick Teplov
Social Media: Jana Keuchel, Andrea Rüthel, Katharina Wittmann
Trailer: Clara Wieck
Dokumentation: Juliane Jaschnow, Kante, Stefanie Schroeder, Nick Teplov

Veranstaltungsorte:
HGB Leipzig
Wächterstraße 11, 04107 Leipzig

GfZK Leipzig
Karl-Tauchnitz-Str. 9–11, 04107 Leipzig

Werkschauhalle 12
Leipziger Baumwollspinnerei
Spinnereistraße 7, 04179 Leipzig

Cinémathèque Leipzig
Karl-Liebknecht-Straße 46, 04275 Leipzig

  • paradoks empfiehlt

IT HAS TO BE LIVED ONCE AND DREAMED TWICE
Filmscreening & AV-Performance von Rainer Kohlberger
6.11.2021 20.00 Uhr UT-Connewitz

Zuerst nur Weißes Rauschen. Dann folgen Maschinengeräusche, Verzerrungseffekte, Flackern und Farbflecken. In die Poetik menschlicher Störsignale schiebt sich eine extraterrestrische Interferenz. Die körperlose Stimme berichtet von Replikanten, die die Menschheit ersetzt haben. IT HAS TO BE LIVED ONCE AND DREAMED TWICE des in Berlin ansässigen Video-Künstlers Rainer Kohlberger entfaltet sich als Experimentalfilm in einer postapokalyptischen Science-Fiction-Welt. Über die entfesselten Muster, in denen die Geister in der Maschine (erahnbare Umrisse eines ehemals bekannten Planeten) tanzen und die erzählende Off-Stimme ihre Bahnen zieht, schiebt sich das komplexe Sounddesign des Wiener Multimedia-Künstlers Peter Kutin (TORSO, ROTOR, THE FIFTH WALL).
Nach dem halbstündigen Film improvisiert Rainer Kohlberger ein Live-Set, das sich ebenfalls aus einem White-Noise-Krisseln heraus entwickelt und schließlich in Wellen von Licht und Farben übergeht. Sound und Bild überfluten die Körper der Anwesenden, eröffnen Introspektionen und Möglichkeitsräume für Entgrenzung, Immersion und Trance.

ROTOЯ
[SONIC BODY]
AV-Performance von Peter Kutin, Patrik Lechner & Mathias Lenz

Im kollaborativen Projekt ROTOЯ [SONIC BODY] vereinen Peter Kutin (Konzept, Komposition, Score), Patrik Lechner (Videoprojektion) und Mathias Lenz (Mechatronik) ihre künstlerische Neugier in einer ungewöhnlichen, audiovisuellen Live-Performance.
In steigender Intensität, befeuert vom Videolicht und dem Live-Score, wirft das zentrale, rotierende Objekt Farb- und Sound-Kaskaden in die Dunkelheit des 1912 erbauten Bauchs des UT Connewitz. Der Rotor verwandelt das Stahlbetonskelett des damals als Stummfilmkino erdachten Lichtspielhauses in einen Resonanzkörper für geometrische Formen und eindringliche Wellen aus Schall. Lustvoll vibriert das Trommelfell und die Trägheit des Auges wird in der puren Geschwindigkeit des Drehmoments zur Wegbereiterin einer Erfahrung mit psychedelischer Qualität.

Tickets unter: LINK